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Architektur
Unsere Galerie wurde 1990 von den Brüdern Tomas und Edmund Hoke, Bildhauer und Architekt, gestaltet. Die Philosophie der Galerie Slavik knüpft an die Tradition jener Epoche an, in der jedes Geschäft noch in Maßarbeit gewissermaßen zu einem Gesamtkunstwerk wurde. Die Galerie ist ein Unikat, welches bereits die bildnerische Kraft sowohl des Architekten wie auch des Metallbildhauers spürbar werden läßt. In ihrer Flexibilität bietet die Galerie vielfältige Möglichkeiten für Raumerlebnisse im Zusammenhang mit von Künstlern gestalteten Ausstellungen und den angebotenen Schmuckunikaten. Abb Galerie Slavik, aussen
Foto: Gerald Zugmann

Tomas Hoke
September 1999

10 Jahre nach dem Entwickeln einer Raumform, wie die der Galerie Slavik, stellt sich die Frage, ob ein multifunktionales Konzept, das sich damals bis ins kleinste Detail als gesamtkünstlerisches Modell verstanden hat, bis heute ein tragfähiges Ausstellungsfundament bietet.

Da sich das Geschäft schlußendlich zu einer der führenden Schmuckgalerien entwickelt hat, ist die gesamte Palette der Möglichkeiten nur zum Teil genützt, was besonders durch die Entwicklung der zeitgenössischen Schmuckkunst im letzten Dezennium augenscheinlich wird: Avantgarde und Experimente sind kaum mehr Teil der Präsentationen.

Ich habe Schmuck immer als etwas sehr mit dem Körper Verbundenes verstanden: Der Objektcharakter war mir immer etwas suspekt - Kleinplastiken am Körper sind meine Sache nie gewesen -, der funktionale Zusammenhang zwischen Körper, innewohnendem Geist und Ausdrucksform war und ist für mich allerdings immer noch ein Ansatz, über den zu arbeiten es sich lohnt.


Foto
Tomas Hoke

Tomas Hoke schuf zusammen mit seinem Bruder, dem Architekten Edmund Hoke, die Ausstattung der Galerie. Sein Lebenslauf findet sich im Kapitel Künstler

Abb Galerie Slavik, innen
Foto: Gerald Zugmann

Diese Zusammenhänge waren bei der Entwicklung des Galerieraumes entscheidend, denn es war schon damals klar, daß sich die internationale Schmuckkunst wieder in Richtung klassischer Gediegenheit bewegt. Daher glaubte ich nicht an die alleinige Strahlkraft der Schmuckkunst, sondern war überzeugt, daß es eines umfassenderen Ansatzes im Präsentationsraum bedürfe, als ausschließlich für Schmuck konzipiert zu sein.

Es zeigte sich, obwohl die Mobilität nicht in der Art genutzt wird wie geplant, daß gerade die augenscheinliche Mobilität des Raumes, die allem Statischen eine Dimension hinzufügt, einen nicht unwesentlichen Anteil am Image der Galerie hat.
Das machte es auch schwer, dem Raum ausstattungsmäßig etwas Neues hinzuzufügen, denn der Balance von Ausstattung und den Ausstellungsstücken liegt ein sehr empfindliches System zugrunde:
Der Galerieraum ist der erweiterte Körperraum, funktionell auf sich bezogen, als Behältnis und Aggregat zur Veranschaulichung - konstruktiver Rahmen, der einen Lichtschein auf das Körperliche lenkt.
Also ist zwischen Rahmen und Inhalt ein symbiotischer Ablauf im Gange.

Edmund Hoke
Zur Architektur der Galerie Slavik,
Himmelpfortgasse 17, Wien 1

Aufgabe war es, ein Geschäftslokal in einem denkmalgeschützten Haus in der Wiener Innenstadt so zu gestalten, daß es einmal als Galerie für modernen Schmuck, Design und ausgewählte Antiquitäten, ein andermal als Ausstellungsraum für jede Art von Objekten und Bildern fungieren sollte. Es sollte leicht zu verändern, dennoch aber unverwechselbar sein.

Drei verschieden große Räume mit Kappen- und Tonnengewölben, unterschiedlich große, teilweise zugemauerte Verbindungen zwischen den Räumen waren vorhanden.


Foto
Edmund Hoke

Mit großen fixen Elementen wurden die Räume verbunden - zwei lange gerade Wandtafeln und eine Stahlschiene. Sie übernehmen verschiedene Funktionen. Die Stahlschiene als längstes Element ragt durch die Türöffnung auf die Straße und trägt die scheinbar auf ihr rollende Bronzescheibe - das Hauptthema der mobilen Einrichtungen der Galerie.

An der Schiene hängen verschiebbare und schwenkbare Glasvitrinen, sie trägt die variable Beleuchtung und sollte ursprünglich auch das Gewölbeauflager zwischen dem Tonnen- und Kappengewölbe der beiden rückwärtigen Räume bilden, was aber aus denkmalpflegerischen Gründen abgelehnt wurde.

Die Schiene ist leicht gebogen, um der Struktur des alten Gebäudes folgen zu können, sie setzt sich im Spiegel als imaginärer Bogen fort. Sie führt von außen bis in die „Wunderkammer“ - einen Raum mit einem schmalen blauen Tonnengewölbe, schimmernden „Bronzeplaneten“, schwarzem Granitboden und den Raum verlängernden Spiegeln.

Die großen Wandtafeln links und rechts „begradigen“ den unregelmäßigen Verlauf der Wände - sie gehen durch die neu dimensionierten Öffnungen und erstrecken sich über die gesamte Tiefe der Galerie. An ihnen rollen verschiebbare und veränderbare Glasregale und Vitrinen, die mit einem eisenbahnähnlichen Stromabnehmersystem in jeder Stellung beleuchtet bleiben.

Soll der straßenseitige Teil der Galerie für eine Ausstellung frei bleiben, können alle Vitrinen und Regale entlang der Schiene und den Wandtafeln wie in einen Bahnhof in den rückwärtigen Teil der Galerie verschoben werden.

Keine dieser Einrichtungen berührt den Boden, auch nicht der ausziehbare Vitrinentisch, der ebenfalls durch eine Stahlkammer zwei Räume verbindet. Im Gegensatz zu den neuen hohen schlanken Öffnungen - wie auch die Glastüre zum kleinen Lichthof - stehen die unveränderten alten, niederen Durchgänge und profilierten Rahmen.

Die zwei Fassadenöffnungen wurden durch eine scheinbar (durch Schienen) durchlaufende schräge Glaswand geschlossen - die Tiefe der Öffnung wird so beim Eingang als gedeckter Vorbereich und für eine beleuchtete Außenvitrine genützt.

Alle mechanischen Teile aus Stahl oder Bronze wurden für die jeweilige Aufgabe entwickelt - die Klarheit und Schönheit der Form soll auch die Freude an ihrer Funktion vermitteln.

Architekt Dipl. Ing. Edmund Hoke

1958
geboren in Klagenfurt
1982-1987
freier Mitarbeiter bei Arch. Hans Hollein, Sepp Frank, Günter Behnisch
1987-1990
Mitglied der Gruppe ARTEC-WIEN
1990-1999
Projekte und Wettbewerbe in Österreich und in der BRD, lebt und arbeitet in Österreich und in der BRD
1990
Projekt Galerie Slavik, Wien
1994
Zusammenarbeit mit der Firma Griffner Haus

Texte aus der Publikation "Schmuck. Kunst am Körper."
Edition Galerie Slavik. Wien 1999 (Hrsg. Slavik KEG)

  • Tomas Hoke: "Werkbericht". Erschienen anläßlich der 190. Wechselausstellung der Österreichischen Galerie im Belvedere. Wien 1995 (Hsg. Gerbert Frodl)
  • "Wien. Ein Führer zur zeitgenössischen Architektur". Könemann Verlagsgesellschaft mbH. Köln 1996

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