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Für Renate Slavik ist zeitgenössischer Schmuck eine Sonderform der Kunst. Seit 1990 engagiert sie sich, um dieses andernorts längst etablierte Genre auch in hierzulande an die Frau und den Mann zu bringen. Ein Stück Pionierarbeit. Weg von der Perle Schmuck und Schmuck ist nicht dasselbe. Da gibt es einmal Hochkarätiges, wie es die Juweliere an den Prachtboulevards präsentieren. Teure Ware mit Ewigkeitswert, kostbare Stücke, immer und ausnahmslos aus edelsten Metallen gefertigt. Und da gibt es ausgefallenen Designschmuck, der seinen Status als modisches, witziges, peppiges, der Vergänglichkeit verpflichtetes Serienobjekt gar nicht leugnen will. Und dann, zwischen diesen beiden Extremen, dem traditionsbewußten Kunsthandwerk und dem hochwertigen Design, gibt es die kleine, relativ junge Nische des einst von Architekten entworfenen Unikat-Schmucks. Heute- eine Spezialisierung setzt erst in den Sechzigern ein- können dessen experimentierfreudige Protagonisten gerne mit dem Begriff "Schmuckkunst" leben, bringt er doch die Entstehung eines Schmuckstücks von der Entwurfszeichnung über das Modell bis zum Endprodukt aus einer Hand gut auf den Punkt. Letzteres ist das Feld, dem sich die Galeristin und gelernte Antiquitätenhändlerin Renate Slavik 1990 verschrieben hat. Und sie hat, erstaunlicherweise, in Österreich noch immer keine Konkurrenz bekommen. "Während es in Holland beispielsweise quasi an jeder zweiten Ecke eine Schmuckgalerie gibt, hat sich der Bereich in Österreich immer noch nicht behauptet", sagt Slavik, die "die Aufklärung der Öffentlichkeit für zeitgenössischen Schmuck" als eine Hauptaufgabe ansieht. Und die leistet sie vornehmlich alleine, in ihrem kleinen Wiener Innenstadtgeschäft, das sie vom Brüderpaar Edmund und Tomas Hoke selbst als flexibles, unverwechselbares Gesamtkunstwerk gestalten ließ. "Es gibt in Österreich diesbezüglich eigentlich kaum Vorbilder, keine Prominenten oder Politikerinnen, die den Mut hätten, konsequent zeitgenössischen Schmuck zu tragen", sieht die Galeristin eine der Ursachen dafür. "Deshalb leide ich auch immer besonders , wenn ich ins Konzert gehe und die reichgeschmückten Damen sehe. Was tragen sie? Klassische, kurze oder lange Perlenketten, Colliers, Juwelierschmuck." Wobei es gerade, was Perlen betrifft, gute Einstiegsmöglichkeiten für zukünftige Schmucksammler und -sammlerinnen gibt: Da fädelt etwa die Venezianerin Barbara Paganin graue Flußperlen im Wechsel mit zarten Goldscheibchen zur zierlichen Kette, Giovanni Corvaja wiederum kombiniert Perlen mit Niello, und die bekannte Wiener Schmuckkünstlerin Anna Heindl arbeitet sie in Silberdrahtgewebe ein. Von der Perle aus könnte man oder frau sich in ungewöhnlichere Gefilde vorwagen. Als Impulsgeber spielen hier Künstler aus Holland (Emmy van Leersum, Gijs Bakker), Deutschland (Hermann Jünger und seine Schüler) und Italien (die Schule von Padua rund um Francesco Pavan) eine große Rolle. Da kann denn durchaus auch einmal Papier, Stahl oder das Chirurgenmetall Tantal zum kostbaren Werkstoff mutieren. Und auch der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Während unseres Gesprächs öffnet Renate Slavik ein Päckchen, das eine Halskette des Niederländers Philip Sajet mit einem Kranz aus echten aufklebbaren Fingernägeln enthält sowie ein paar Emailohrstecker, bestehend aus Herz und Revolver. Verwunderung? Slavik: " Zeitgenössische Schmuckkunst bietet der Trägerin die Möglichkeit, durch Ideenreichtum und perfekte Ausführung der Arbeiten ihre ganz persönliche Note ins Licht zu rücken." Sprach´s und präsentierte als Kontrastprogramm äußerst klare Objekte von den Österreichern Gert Mosettig und Helfried Kodré, von der Natur inspirierte Broschen von Barbara Paganin, konzeptuelle Tantal-Ketten von Annelies Planteydt aus Holland und gediegene Geräte aus geschmiedetem Sterlingsilber und Ebenholz von Peter Verburg. Gewichtiges Schlußwort: "Wer Schmuckkunst sammelt, sammelt die Antiquitäten von morgen. Ankäufe internationaler Museen bestätigen diese Entwicklung." Johanna Hofleitner: Weg von der Perle. Die Presse. Schaufenster vom 19. November 1999, S. 36f. |