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Anlässlich der Jubiläumsausstellung "15 Jahre Galerie Slavik" schreibt Dr. Claudia Lehner-Jobst in der Kunstzeitschrift "Parnass" über Renate Slaviks konsequente Galeriearbeit und Künstler der Galerie:

Die Qualität einer Idee
15 Jahre Galerie Slavik

Claudia Lehner-Jobst

Vor fünfzehn Jahren war es für Renate Slavik eine Art Berufung, neue berufliche Wege zu gehen und einen großen Schritt von der Welt der Antiquitäten in das Neuland der zeitgenössischen angewandten Kunst zu wagen. Sehr bald spezialisierte sich die Galerie in der Wiener Himmelpfortgasse auf zeitgenössische Schmuckkunst und hat sich damit nach 15 Jahren einen beachtlichen internationalen Ruf geschaffen.

Bei aller Vielfalt der Exponate in den nach wie vor spannenden, von Tomas und Edmund Hoke gestalteten Innenräumen der Galerie mit ihren Schwebevitrinen zeichnet sich der persönliche Qualitätsbegriff der Galeristin in der Auswahl von Arbeiten etablierter, aber auch junger Künstler ab. Klarheit in der Aussage ist ein wichtiges Argument für Renate Slavik. Ob nun in Papier, Gold oder Diamanten, ist zweitrangig. Ein Schmuckunikat, und nur solche werden angeboten, erhält seinen Wert in erster Linie durch die Einmaligkeit einer Idee. Dass einer guten Idee eine qualitätsvolle technische Umsetzung folgt, muss selbstverständlich sein.

Viele Künstler sind der Galeristin über die fünfzehn Jahre treu geblieben, viele neue sind dazu gekommen. Renate Slavik scheut keine Mühe, sich auf Handwerksmessen und bei Wettbewerben umzusehen, um Nachwuchskünstler aufzuspüren. Die Förderung junger Künstler ist ihr ein großes Anliegen, wie auch der Grassi-Preis des Grassi Museums in Leipzig beweist, der seit drei Jahren von der Galerie Slavik gestiftet wird. Renate Slavik hat bereits etliche junge Schmuckkünstler auf das internationale Parkett der Szene gehoben.

Der Grenzenlosigkeit von Kreativität zuzusehen und dabei immer wieder überrascht zu werden, bedeutet Glück für die Galeristin. Die internationale Anerkennung ihrer Arbeit ist dabei eine erfreuliche Bestätigung ihres Zieles, den Galeriebesuchern Schmuckunikate als kunstvolle und tragbare Kleinskulpturen verständlich zu machen.

Jacqueline Ryan, eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen der Galerie Slavik, die nach ihrem Abschluss als Master of Arts am Royal College of Art in London im Jahr 1992 nach Italien übersiedelte und heute in Umbrien lebt, definiert den Sinn ihrer Schmuckkunst: "Meine Arbeiten sind dafür gemacht, nicht nur ausgestellt, sondern getragen zu werden, denn es ist die Interaktion zwischen Träger und Schmuckobjekt, die eine Arbeit in ihrer Funktion vervollständigt und sie zum Leben erweckt."
Die Arbeiten von Jacqueline Ryan spiegeln das Interesse der Künstlerin für die Natur, aber auch für die Naturverehrung alter Völker, wie der Ägypter und Etrusker und deren Kunstwerke, die wir noch heute in ihrer universellen Ästhetik als zeitlos empfinden. Diese Zeitlosigkeit vermittelt einen starken Eindruck von Kostbarkeit. Genau diese Beschreibung verdienen Jacqueline Ryans Broschen, die nach flüchtigen Naturimpressionen entstehen. Email ist eine bevorzugte Technik der Künstlerin, die keine Herausforderung in der Umsetzung ihrer zunächst in Papier, dann mit absoluter Präzision in Gold ausgeführten Entwürfe scheut. Das Ergebnis wirkt leicht und spielerisch, es zeigt keine Spuren der faszinierenden technischen Grenzgänge (Abb. 2).

Auch der katalanische Künstler Joaquim Capdevila, der 2004 seinen 60. Geburtstag in der Galerie mit der "Sechzig Kelche"- Ausstellung feierte (PARNASS 2/2004), findet immer mehr zu einer formalen Einfachheit und einer damit verbundenen Zeitlosigkeit. Die neue Broschenserie Capdevilas, "Kontrapunkte", geht einen imaginären Weg von den Projektzeichnungen Leonardo da Vincis zur Malerei Marc Rothkos, von der puren Linie zur puren Malerei. Geometrische Grundformen aus Gold und Silber, durch subtile Unregelmäßigkeiten belebt, werden graviert und mit Farbe und Pinsel bemalt. Spontan und direkt geschieht die Bearbeitung der Metalloberflächen, es gibt Raum für Emotionen. (Abb. 3)

Die katalanische Schmuckkunst hat sich nie mit kühlem Minimalismus begnügt, aber auch in nördlicheren Ländern scheint es in den letzten Jahren eine Tendenz zu einem emotionalen Zugang zu den Materialien zu geben. Die Zeit der scharfen Kanten und der Gegenläufigkeit von Form und Material scheint vorüber zu sein. Farbigkeit ist kein Hindernis mehr. So sind malerische Elemente auch bei anderen Künstlern zu beobachten, wie etwa bei Maria Rosa Franzin, deren Arbeiten mit ihren Spuren künstlerischer Gesten als eine Art "action painting" auf Metall zu verstehen sind (Abb. 4). Auch der Schmuck des italienischen Künstlers Stefano Marchetti zeigt malerische, spontane Qualitäten. Seine Arbeiten basieren auf einer komplizierten Technik, in der verschiedenfarbige Edelmetalle mosaikartig miteinander verschmolzen werden. Die daraus gearbeiteten feinen Metallfolien mit archaisch anmutenden Texturen formt Marchetti zu expressiven Objekten (Abb. 5).

Die Liste der Künstler der Galerie Slavik ist lang, leider können hier nur wenige genannt werden. Eine Ausstellung zeigt neue Arbeiten vieler anderer Künstler für das Jubiläumsfest. Man kann sich auf weitere Entwicklungen freuen.

Das Kunstmagazin "Parnass", Oktober/November 2005, Heft 4/2005, S. 150-151,
Dr. Claudia Lehner-Jobst


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