|
|
||||
Dr. Brigitte Borchardt-Birbaumer schreibt in der Wiener Zeitung über Schmuckkünstler der Galerie. Den Auftakt innerhalb dieser Serie macht die Wienerin Anna Heindl. Beiträge über Helfried Kodré, Nel Linssen und weitere folgen. Wenn Koralle zu Kaviar wird Anna Heindl kann perfekt mit der Versuchung für ihre Kundinnen umgehen. Die sinnlichen Anspielungen auf rote Früchte kehren mit Regelmäßigkeit wieder: da sie aber teure Steine sind, hat das auch ein wenig mit dem Pflücken vom Baum der Erkenntnis im Paradies zu tun. Es gibt wohl kaum eine Frau, die nicht bei besonderem Schmuck wie diesem leise Gelüste verspürt, solche einmaligen Stücke besitzen zu wollen. Emanzen können sich mit dem Außergewöhnlichen selbst beschenken: Schmuck ist mehr und mehr Abzeichen einer bestimmten Haltung, einer gewünschten Ausstrahlung und eines individuellen modischen Geschmacks. Für die Schmuckkünstlerin ist es immer ein Spagat zwischen Handwerk, Design und Kunstobjekt. Entwirft sie eine kleine Skulptur, muss die Montage am Körper und der Tragekomfort mitbedacht werden. Anna Heindl hat neben Gespür für aktuelle Formenkombinationen auch Gefühl für variable Emotionen der Trägerinnen. Sie hat 1970-1976 an der Hochschule für angewandte Kunst Metallgestaltung studiert und bis 1980 mit dem Bildhauer Manfred Wakolbinger zusammengearbeitet. Doch dann machte sie sich selbstständig und schaffte es als eine der wenigen aus ihrem Metier auch den Preis der Stadt Wien für bildende Kunst 2002 zu erlangen. Und obwohl ihre Werke auch in Museumssammlungen eingehen, hat sie sich nie von der Realität der Käuferinnen entfernt oder sich in Höchstpreiskategorien begeben. Sie will jedoch neben der besonderen Harmonie der Formen und Farben besonderer Steine - neben Koralle u.a. auch Saphire, Topase, Rubine und Diamanten - Themen ansprechen. In Gittern und Netzen aus Gold- und Silberdraht sieht sie Vorgänge der Natur wie einen "Sonnenaufgang" aber auch Wetterkapriolen wie "Vor dem Gewitter" (beides sind Colliers). Grüne und blaue Steine in Silberdrahtgewirr sind wie der Blick durch das fließende Wasser auf den Grund mit Pflanzen in einem "Fluss" (ein Armreif). Broschen können einerseits auf den "Gleißenden Nachmittag", aber auch auf den "Gewitterhimmel" verweisen. Die Auswahl integriert also immer auch eine Aussage über die inneren Wetter der Trägerin, wenn man so will. Wiener Journal. Das Magazin der Wiener Zeitung, Heft Nr. 41, 29. 0ktober 2005, S. 20-22, Dr. Brigitte Borchardt-Birbaumer |