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Die rotierende Bronzescheibe über der Eingangstüre lockt in ein eigenes Universum. Man betritt ein architektonisch und technisch einzigartiges, von Studenten und Architekten aus aller Welt interessiert beäugtes Gestaltungskonzept. Und befindet sich in einer einzigartigen Galerie für zeitgenössische Kunstschmuck mit internationalem Ansehen. "Die Architektur zieht die Kunden herein", sagt Renate Slavik. Tomas Hoke, der gemeinsam mit seinem Bruder und Architekten Edmund die Galerie vor 15 Jahren in nur sechs Monaten eigenhändig umgebaut und eingerichtet hat, gesteht: "Es war ein Experiment". Am Anfang herrschte ein wenig Unsicherheit - ob die Exponate und der innovative Präsentationsrahmen einander Konkurrenz machen werden. Doch die zwei Welten haben sich zu einem Geamtkunstwerk vereint. Kommerz ist ein Fremdwort, Unikat ein sehr gebräuchlicher Begriff. Ob Schmuckkunst oder Architektur. Außen beginnend geht quer durch die unter Denkmalschutz stehenden, an den Seiten geöffneten Räume ein teilweise durch Mauerunebenheiten gebogener Stahlbalken, an dem frei schwebende Glasvitrinen hängen. Die Öffnung verfügt über einen ausgeklügelten und bis dato nie kopierten Schiebetüren-Mechanismus. Dass die gute alte Bahn als Vorbild diente, erstaunt: Ein eisenbahnähnliches Stromabnehmersystem sichert die Beleuchtung in jeder Stellung, denn jede Vitrine kann auf der Schiene, wie in einem Bahnhof, verschoben werden. Damit schnell Platz für Veranstaltungen geschaffen ist. Diese mobile und bodenfreie (Maschinenbau-)Architektur war eine Herausforderung für die beiden Hokes. Und da nichts von der Stange ist, sind sogar die Prototypen sofort zum Einsatz gekommen und haben heute noch immer genauso Relevanz wie damals. Auch was den ästhetischen Anspruch betrifft. "Der Schmuck ist schwerpunktmäßig aus Metall, deshalb haben wir mit Glas gearbeitet. Und mit Spiegeln, die eine Lichtführung über zwei Ecken gewährleisten und so die Kanten aufblitzen lassen. Metall war für die Konstruktion unerlässlich, es wurde aber lackiert. "Unzufriedenheit gibt es dennoch, denn heute würde man einige Detailllösungen anders konzipieren, wie etwa die Archivsituation. Aber so ist das "Museum mit Kaufoption" auch mit den wenigen nachträglich eingebrachten Einrichtungsgegenständen ständig in Bewegung. Und die Bronzescheibe dreht sich noch immer. in: Diva Luxus, Beilage zu Diva, 143, November/Dezember 2005, S. 17 |