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ZEITLOS KOSTBAR
Jacqueline Ryan und David Huycke Claudia Lehner-Jobst Die alljährliche Ausstellung der Galerie Slavik zur Wiener Festwochenzeit widmet sich diesmal zwei Künstlern, die der Galerie schon seit vielen Jahren nahe stehen: der Schmuckkünstlerin Jacqueline Ryan und dem Silberschmied David Huycke. Sehr früh interessierte sich die Galeristin Renate Slavik für die Entwicklung des Kunstgeschehens in Italien und Belgien und ermöglichte jungen Künstlern, ihre Arbeiten in Wien zu präsentieren. Nicht wenige, darunter die beiden Protagonisten, sind inzwischen sehr erfolgreich, lehren an renommierten Kunstschulen und sind in den wichtigsten öffentlichen und privaten Sammlungen ihrer Metiers vertreten. Die Schule von Padua, in deren Umkreis Jacqueline Ryan sich nach ihrem Studium am Royal College of Art in London ansiedelte, ist für ihre formale Reduktion sowie die Verwendung edler Materialien und traditioneller Techniken bekannt. In Belgien, wo David Huycke ausgebildet wurde und lebt, darf man auch unkonventionelle Experimente und materielles Understatement erwarten. Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten der beiden tatsächlich aus höchst unterschiedlichen Welten zu stammen. Doch dann enthüllen sich die Gemeinsamkeiten zu einem visuellen und taktilen Genuss, dem vor allem zwei Dinge zugrunde liegen: ästhetische Kraft und fundiertes Handwerk. Der hingebungsvolle Umgang mit ihren bevorzugten Rohstoffen, Gold einerseits, Silber andererseits, führt bei beiden zu rastlosem Erforschen der Materialeigenschaften mit staunenswerten Ergebnissen. Als Betrachter verliert man sich schnell und gerne in den Details und der Schönheit der einzelnen Formen. Der Begriff der Schönheit, in der zeitgenössischen Kunst lange Zeit wegen seiner kulturellen Belastung ungeliebt, wird hier bewusst verwendet. Denn einfach nur glatt ist nichts in den Arbeiten der beiden Künstler, gefragt ist der zweite Blick, das Aufspüren des überraschenden Anders-Seins, das die traditionellen Materialien und Techniken nicht nur zu Höchstleistungen treibt, sondern auch Unikate hervorbringt, die, wie Jacqueline Ryan sich wünscht, "zeitlose Kostbarkeit" vermitteln. Der Forschergeist von Jacqueline Ryan zeigt sich auf ihren Wanderungen mit Zeichenblock und Makroobjektiv durch die Landschaften ihrer immergrünen Wahlheimat Umbrien. Der Reichtum an Pflanzen und Insekten mit ihren verschiedenen Strukturen, Texturen und Farbigkeiten inspiriert die Künstlerin zu ihren Broschen, Colliers und Ringen. Sie beschäftigt sich darüber hinaus mit den angewandten Künsten alter Hochkulturen, wie den Ägyptern und Etruskern. Auf ihrer Suche nach einer universellen ästhetischen Sprache wird sie bei diesen Völkern fündig, deren Kunstschaffen sich auf ein Zusammenspiel von Diesseits und Jenseits mit dem Ziel des Ewigen verbündet hatte. Die Aufmerksamkeit, mit der Jacqueline Ryan sich ihrer Schmuckkunst widmet, teilt sie seit kurzem mit ihrem neuesten Projekt, einer eigenen Galerie in Todi. Hier hat sie ein Forum für junge Keramik, Schmuckkunst, Holzarbeiten und andere Zweige der angewandten Kunst geschaffen. Dies ist auch eine Antwort auf die nicht ganz leichte Situation, in der sich Schmuckkünstler derzeit befinden, denn der enorme Anstieg der Goldpreise macht vielen zu schaffen. In den Silberarbeiten von David Huycke verbinden sich sinnliche und intellektuelle Aspekte. Diese Dualität zeigt sich auch in formalen Kontrasten, wie Licht und Schatten, Transparenz und Dichte. "Nützliche" Formen, wie Schalen und Vasen, werden zu Skulpturen, Elemente daraus zu freien Objekten. "Kissing bowls" von 2006 ist ein anschauliches Beispiel dafür. Zwei geschwärzte Silberschalen verwachsen ineinander zu einer neuen Form. Das Interesse an der Kugelform entwickelte sich bei David Huycke durch seine Beschäftigung mit der Technik der Granulation. Seine Experimente führten schliesslich im Jahr 2006 zu seiner Promotion an der ehrwürdigen Katholischen Universität Löwen in Flandern mit einer These über Silbergranulation. Die Technik der Granulation wurde 3000 v.Chr. erfunden, bis ins frühe Mittelalter verwendet und erst Mitte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Winzige Metallkugeln werden zu einer ornamentalen Oberfläche auf einen Metallgrund geschmolzen. David Huycke "befreit" diese Technik und verbindet die Kugeln von exakt gleichem Gewicht nur an ihren wenigen Berührungspunkten, ohne Hintergrund. So wird das Granulat vom Ornament zum Baustein. Bei den beiden "Pearl Spheres" in Weiss und Schwarz schafft Huycke mit tausenden von kleinen Kugeln eine lichtdurchlässige, scheinbar schwerelose Raumhülle, die blosse Erinnerung an eine Schalenform. Das Kunstmagazin "Parnass", Mai-August 2008, Heft 2/2008, S. 158-159, |