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Die Kunst-Fachmagazine "Parnass" und "Schmuckmagazin" bringen in ihren Frühjahrsheften einen Artikel über Francesco Pavan, den Doyen der italienischen Schmuckkunst, der seit Jahren in der Galerie Slavik vertreten ist und im Mai/Juni 2001 seine neuesten Stücke in der Galerie Slavik präsentiert.

Francesco Pavan

Licht und Geometrie - Schmuck als Grenze des Essentiellen "Einer der großen zeitgenössischen Schmuckkünstler präsentiert in der Wiener Galerie Slavik neue Arbeiten. Francesco Pavan aus Padua, unter Sammlern als bedeutender Meister ohne Allüre bekannt, mag Umschweife nicht.

"Der schönste Teil meiner Arbeit besteht in der Suche" - und das Resultat des Findens soll unmißverständlich sein. Pavan versucht zu eleminieren, was die Lesbarkeit des Schmuckobjekts stören würde. Die Frage nach dem Essentiellen der Form liegt nahe - Geometrie als Grundlage. Eine formale Lösung, schlüssig, fern der objektiven Geste ist von jeher Pavans Ziel. Eine Begegnung mit Lucio Fontana gegen Ende der fünfziger Jahre war diesbezüglich wegweisend. Geometrische Strukturierung erlaubt dem Künstler das Gleichgewicht zwischen Volumen, Raum und Farbe zu regeln. Als gestalterisches Element italienischer Kultur. Man denke an die Kunst der Renaissance, bis zum heutigen Design.
Francesco Pavans neueste Arbeiten erläutern seinen Ausgangspunkt in zwei relativ unterschiedlichen Gruppen.

Seine Broschen sind voluminös und gleichzeitig luftig. Der Aufwand an Form, Farbe und Material ist auf Wesentliches reduziert. Sparsam verwendetes Email, eine Technik, die Pavan wegen ihrer herausfordernden Kompliziertheit besonders fasziniert, gibt dem strengen Gerüst einen zarten Anstrich, bunte Kontur.

Colliers und Ringe hingegen, jene Objekte also, die direkt am Körper getragen werden, sind zwar ebenso einfach in ihrer Grundform, aber üppig in ihrer Komposition und Materialsprache, mit einem Hang zur Sinnlichkeit. Licht spiegelt sich auf polierten Goldflächen oder fängt sich in rauher Textur. Sehr sorgfältig für ihre Transparenz oder ihre Leuchtkraft ausgewählte Quarze oder Achate ergänzen dann und wann das reizvolle Spiel zwischen den denkbar schlichten Formen und den in allen Facetten ausgekosteten Materialeigenschaften der Edelsteine.

Francesco Pavan gilt auf internationalem Terrain als einer der besten Schmuckkünstler unserer Zeit. 1937 in Padua geboren, absolvierte Pavan das dortige Istituto Pietro Selvatico. Diese Schule wurde 1867 von ihrem Namensgeber, einem Architekten und Kunstkritiker, gegründet. Aus der zeittypischen, an industrieller Praxis orientierten Kunstschule wurde 1959 ein Kunstinstitut unserer Begrifflichkeit. 1967 wurde schließlich der Klasse der "Metallkünste" der Zusatz `und der Goldschmiedekunst` angeschlossen. Pavan erhielt 1955 am Istituto P. Selvatico sein Diplom. Seit 1961 als Professor ebendort tätig, hat er eine lange Reihe von jungen Schmuckkünstlern mit bereits klingenden Namen ausgebildet. Giovanni Corvaja, Stefano Marchetti, Graziano Visintin, und Annamaria Zanella sind unter ihnen.

Professor Pavan lebt zurückgezogen und erstaunt durch seine kluge Bescheidenheit angesichts des enormen Einflusses, den er auf seine Studenten ausübt. Es ist seine Arbeit selbst und vielleicht auch seine Arbeitsweise, die imponiert. Sein Werdegang ist konzentriert und anspruchsvoll, kunsthistorische Studien und intensive Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst sind ihm ebenso wichtig wie das unermüdliche Experiment, ideell wie technisch. So gilt Francesco Pavan als Initiator der Avantgarde in Padua. Es war sein Lehrer, Mario Pinton, der der Schmuckkunst am Istituto P. Selvatico den Grundstein ihrer Bedeutung legte und dem Metier zu gebührender Würde und künstlerischem Bewußtsein verhalf. Tatsächlich ist hier ein Umfeld entstanden, das in seiner Autonomie den Erfordernissen einer echten künstlerischen Avantgarde gerecht werden konnte.

Schmuck wird vor diesem Hintergrund seiner bloß dekorativen Funktion enthoben und zu einem künstlerischen Ereignis, in dem sich Form, Material und Träger mit ephemeren Einflüssen wie Licht und Zeit zu einer Synthese einfinden. Jedes dieser Elemente wird auf seine essentiellen Möglichkeiten reduziert, auf rein oberflächliche Gestaltungsmittel wird verzichtet. Dennoch bricht die Avantgarde von Padua im technischen Bereich nicht mit der Tradition, sie wird vielmehr Instrument. Francesco Pavan ist wohl mit dem gesamten Repertoire der Goldschmiedetechniken vertraut und nützt dieses Potential zum weiterführenden Experiment. Eine der formalen Geometrie adäquate Expressivität zu erlangen ist das Ziel. Die Simplizität der Form bedeutet in der Arbeit Francesco Pavans nämlich keineswegs kühl kalkuliertes Konstrukt sondern Steigerung, Harmonisierung und Prägnanz – auch in der Interaktion mit dem Träger. Denn es geht hier um Schmuck, der am Körper getragen und so Bewegung, wechselnder Lichtwirkung und Atmosphären ausgesetzt werden will. Ornament des Körpers, ohne Verzierung.

Die künstlerische Entwicklung bei Francesco Pavan zeigt vor allem in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine fast nüchtern zu nennende Einfachheit der Schmuckformen. Die frühen achtziger Jahre bringen Stücke mit reliefierten Strukturen, dann folgen kinetische Arbeiten, bei denen der Träger mit seiner Mobilität Mechanismen oder Effekte auslösen kann. Hier ist vor allem von Colliers die Rede, deren Bestandteile mittels eigens entwickelter Verbindungen zu überraschenden Beweglichkeiten gebracht werden können. Um die Mitte der achtziger Jahre wird Farbe ein großes Thema. Pavan entwickelt chromatische Metallgewebe aus Gold-, Silber-, Alpaka- und Kupferfäden, die miteinander verwoben, gelötet und dann gehämmert werden. Die Oberflächen erscheinen malerischer, verspielter, gar organischer, die Formen bleiben in anregendem Gegensatz dazu streng geometrisch. Die Lichtwirkung wird immer mitgedacht, Anfang der neunziger Jahe dann in der Pavan eigenen Konsequenz als Lichtquelle in die Broschen eingebaut. Illuminierte Schmuckobjekte entstehen gleichzeitig mit Arbeiten, deren vornehmliche Wirkung in der Asorption oder Reflexion des Lichtes bestehen. Gold ist das zentrale Material dieser Stücke, wie es auch im gesamten Werk Pavans Lieblingsmetall bleibt. Edelstes, reinstes, mystisches Metall, dessen Glanz und Leuchten von keinem anderen Material erreicht wird. Daß die technische Perfektion als Garant überzeugender Umsetzungen seiner Ideen für Francesco Pavan Hauptanliegen ist, bleibt oft scheinbar absichtlich hinter einer großen formalen Einfachheit verborgen. So ist der Künstler in aller Bescheidenheit gleichzeitig einer der bedeutendsten Vertreter avantgardistischer Schmuckkunst wie auch der Goldschmiedekunst im besten Sinne. "Wenn ich eine neue Lösung finde, dann nutze ich sie, aber nicht zu lange: die Wiederholung ist gut für jemanden, der produzieren will. Mich interessiert das Schaffen".

(Zitate nach Francesco Pavan im Interview mit Francesca Polato am 8. Juli 1998, publiziert in Oreficeria Contemporanea a Padova. Unveröffentlichte Dissertation. 1998. S. 60)

"Parnass", Heft 2/2001, S. 110-111, Dr. Claudia Lehner-Jobst
"Schmuckmagazin", Heft Juni/Juli 2001, S. 26-27, Dr. Claudia Lehner-Jobst


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