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Der katalanische Schmuckkünstler Joaquim Capdevila schuf zur Jubiläumsausstellung in der Galerie Slavik eine außergewöhnliche Serie von 60 Kelchen. Felix Lucas berichtete in der "GZ - Goldschmiede Zeitung" darüber ausführlich:

"Schluck-Schmuck" bei Slavik in Wien

Sein Geburtstagsjubiläum begeht der international bekannte spanische Schmuckkünstler Joaquim Capdevila mit 60 Kelchen zum Sechzigsten im Mai in der Galerie Slavik in Wien.
Joaquim Capdevila hat eine "Urform" des Gefäßes, den Kelch, zur Feier seines sechzigsten Geburtstages ausgewählt, um sie in der Galerie Slavik vom 4.Mai bis 5.Juni zu präsentieren. Er will die Objekte aber nicht nur als Gebrauchs- oder Sammelgegenstände angesehen haben, sondern in erweiterter Form auch als Schmuck, gewissermaßen als "Schluck-Schmuck".
Symbolhaftes und Praktisches liegen in der Form des Kelches: das Halbrund der Schale erinnert an das "Himmelsgewölbe", an empfangende Hände, aber ebenso an den Schmelztiegel des Goldschmiedes. In erster Linie umgibt den Kelch eine sakrale Aura, aber mit Trinkkelchen und Trinkpokalen sind auch weltliche Festivitäten verbunden. Joaquim Capdevila gestaltet seine Kelche bewußt kleinformatig, als kostbare Kleinodien. Dennoch wirken sie in der Gestaltung oft als monumentale Objekte, die lediglich in der Dimension reduziert wurden. Dabei verändert er die klassischen Elemente der kunsthistorischen Entwicklung des Kelches, der vorerst aus einem Fuß in der Form eines abgestumpften Kegels bestand, mit einer Fülle von Dekors, dem Nodus (Knauf) als Verbindungsstück und der Cuppa (Schale). Im Mittelalter wurde dann diese Form schlanker, da sich zwischen Schale und Fuß der Ständer hineinschob. Bei Capdevila ist der Fuß meist nur eine Platte oder es sind Schienen, auf denen dann der Ständer aufsitzt, der bei den meisten Kelchen direkt in die Schale übergeht. Bei einzelnen Gestaltungen werden an die Stelle des Knaufs geschwungene, zarte, gleichsam schwebende Elemente gesetzt.
In der Ausführung kontrastiert geschwärztes Silber mit matt schimmernden Gold, bisweilen mit Steinen besetzt. Diese sparsamen Dekors reichen vom selbst gefundenen Flusskiesel bis hin zum versteckt eingesetzten Diamanten.
Die sechzig Jubiläumskelche laden vor allem zu den Feiern des Lebens ein, aber ebenso zu einem zeremoniellen Gebrauch oder einfach zu genussvoller Betrachtung. Jeder Kelch soll die Einzigartigkeit eines Augenblicks dokumentieren. Keiner der sechzig Kelche gleicht dabei einem anderen.

Thematisch zyklisches als Lebenswerk

Der 1944 geborene Joaquim Capdevila lernte vorerst das Goldschmiedehandwerk von Grund auf in der Werkstatt seiner Eltern. Parallel dazu begann er sein Studium an der bekannten Escuela Massana in Barcelona, das er 1968 abschloss, um in den folgenden zwei Jahren gewissermaßen den letzten Schliff im Atelier Lacambra in Paris zu erhalten.
Sehr bald wurde die internationale Fachwelt, aber ebenso das kunstinteressierte Käuferpublikum auf ihn aufmerksam. Bereits 1968 erhielt er bei der Internationalen Handwerksmesse in München eine Goldmedaille für Form und Qualität, der eine weitere Goldmedaille bei der Ausstellung "Internationales Schmuckhandwerk" in Stuttgart folgte. 1982 wurde ihm der erste Preis im Wettbewerb des "Consell de Disseny de la Generalidad de Caralunya" in Barcelona verliehen. Seit seinem 27. Lebensjahr trat er in einer Fülle von nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen in Erscheinung. Seine Arbeiten befinden sich auch in einer Reihe von Museen und privaten Sammlungen in Europa und Amerika.
Immer wieder sind es bei Joaquim Capdevila thematische Zyklen, mit denen er neue Kreationen aus der Taufe hebt, so etwa zu Beginn der neunziger Jahre die Kollektion von fünfzehn Schmuckstücken mit der "Kraft der Magnete" oder etwa sein Zyklus "Bäume der Erinnerung", die er als seine Freunde in einem Land der Unschuld und Fröhlichkeit vor Augen führt.

Die Fachzeitschrift "GZ - Goldschmiede Zeitung", Mai 2004, Heft 4/2004, S.90, Felix Lucas


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