Galerie Slavik Gallery Press

Presse

Dr. Brigitte Borchardt-Birbaumer schreibt in der Wiener Zeitung über Schmuckkünstler der Galerie. Den Auftakt innerhalb dieser Serie macht die Wienerin Anna Heindl. Beiträge über Helfried Kodré, Nel Linssen und weitere folgen.

Wenn Koralle zu Kaviar wird

Schmuckstücke von Anna Heindl
von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Ihr neuester Ring hat eine Bekrönung in Form einer goldenen Kuppel aus Golddraht, auf der als Tupfen auf dem i neun leuchtend rote Korallen aufgesetzt sind. Das ergibt nicht nur einen spannungsgeladenen Kontrast zum metallisch blaugrünen Schimmer des goldgepunkteten Rings selbst, es ist auch vor allem ein kulinarischer Anblick. So stark sind hier die Assoziationen in Richtung besonderer Früchte, dass auch die Künstlerin selbst von Kaviar spricht. Die Kuppel ist eigentlich eine Kugelform, also so etwas wie ein Globusgerüst oder eine kleine Armillarsphäre. Diese alten astronomischen Geräte haben die Himmelskreise gemessen und so eine ganze kleine Allmacht kann nun am Finger besonderer Blickfang werden.

Anna Heindl kann perfekt mit der Versuchung für ihre Kundinnen umgehen. Die sinnlichen Anspielungen auf rote Früchte kehren mit Regelmäßigkeit wieder: da sie aber teure Steine sind, hat das auch ein wenig mit dem Pflücken vom Baum der Erkenntnis im Paradies zu tun. Es gibt wohl kaum eine Frau, die nicht bei besonderem Schmuck wie diesem leise Gelüste verspürt, solche einmaligen Stücke besitzen zu wollen. Emanzen können sich mit dem Außergewöhnlichen selbst beschenken: Schmuck ist mehr und mehr Abzeichen einer bestimmten Haltung, einer gewünschten Ausstrahlung und eines individuellen modischen Geschmacks. Für die Schmuckkünstlerin ist es immer ein Spagat zwischen Handwerk, Design und Kunstobjekt. Entwirft sie eine kleine Skulptur, muss die Montage am Körper und der Tragekomfort mitbedacht werden.

Anna Heindl hat neben Gespür für aktuelle Formenkombinationen auch Gefühl für variable Emotionen der Trägerinnen. Sie hat 1970-1976 an der Hochschule für angewandte Kunst Metallgestaltung studiert und bis 1980 mit dem Bildhauer Manfred Wakolbinger zusammengearbeitet. Doch dann machte sie sich selbstständig und schaffte es als eine der wenigen aus ihrem Metier auch den Preis der Stadt Wien für bildende Kunst 2002 zu erlangen. Und obwohl ihre Werke auch in Museumssammlungen eingehen, hat sie sich nie von der Realität der Käuferinnen entfernt oder sich in Höchstpreiskategorien begeben. Sie will jedoch neben der besonderen Harmonie der Formen und Farben besonderer Steine - neben Koralle u.a. auch Saphire, Topase, Rubine und Diamanten - Themen ansprechen. In Gittern und Netzen aus Gold- und Silberdraht sieht sie Vorgänge der Natur wie einen "Sonnenaufgang" aber auch Wetterkapriolen wie "Vor dem Gewitter" (beides sind Colliers). Grüne und blaue Steine in Silberdrahtgewirr sind wie der Blick durch das fließende Wasser auf den Grund mit Pflanzen in einem "Fluss" (ein Armreif). Broschen können einerseits auf den "Gleißenden Nachmittag", aber auch auf den "Gewitterhimmel" verweisen. Die Auswahl integriert also immer auch eine Aussage über die inneren Wetter der Trägerin, wenn man so will.
Das Schmuckstück verweist auch mit seinem Titel auf das Temperament der Käuferin: Natürlich wird die Erotik angesprochen, es gibt die Ohrstecker "Liebestoll" oder den wörtlich zu nehmenden "Busenrahmen", eine halbkreisförmige Brosche. Zwei bis drei Jahre arbeitet Anna Heindl an einem Zyklus, den sie übertitelt: derzeit sind die "Horizonte" in Arbeit, davor waren es "Landschaften und Gärten" oder "Ears and Tears". Bei Letzteren war nicht nur die Form des Ohres, sondern auch das Zuhören für sie interessant in der Ausführung der einzelnen Stücke. Jeder Serie widmet sie einen Katalog. Zur Einfühlung und hohem ästhetischen Bewusstsein kommt also eine logisch konzeptuelle Ebene, die nicht zu unterschätzen ist. Daher verwundert es kaum, dass die Schmuckkünstlerin auch an verschiedenen Hochschulen unterrichtet und Vorträge hält. Neben der perfekten Goldschmiedpraxis ist diese Kombination von Logik und Fantasie nicht zu unterschätzen. Auch wenn es um jenes naturhafte Erscheinen der Steine wie Beeren an goldenen oder silbernen Ästen geht, ist das scheinbar Simple durchdacht.
Am Hals wirken die Horizonte mit ihren sprühend anmutenden Farbtupfern aus Amethysten und Karneolen wie windbewegte Herbstblätter oder Spritzer aus Wasser und Blut. Blitz und Donner können jedoch nur innerliche Turbulenzen ansprechen: Harmonie und Ästhetik in Kontakt mit der Hautfarbe sind auf höchstem Niveau.
Information zu den Schmuckstücken von Anna Heindl:
Galerie Slavik

Wiener Journal. Das Magazin der Wiener Zeitung, Heft Nr. 41, 29. 0ktober 2005, S. 20-22, Dr. Brigitte Borchardt-Birbaumer


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