Schmuck: Die Kunst am Körper etabliert sich langsam
Kunstschmuck bietet neben der Freude des Tragens auch die Möglichkeit der Wertanlage. Denn die Stücke von heute sind die Antiquitäten von morgen.
Schmuckkunst war auf dem Kunstmarkt bisher eine schmählich vernachlässigte Sparte. Langsam entdecken aber Museen und Kunstsammlungen die Schmuckkunst. Durch die Museumsankäufe und auch Publikationen der letzten Jahre wächst langsam die Bedeutung dieses Sektors. Man vergisst allzu gerne, dass die Schmuckstücke von heute die Antiquitäten von morgen sind - und alter, antiker Schmuck hat ja beachtlichen Wert.
Andere Wertmessung
Der Zugang ist vielleicht ein wenig schwierig, da die breite Masse den Wert des Schmucks in Karat und Unzen misst. Schmuckkunst hingegen besticht nicht durch die Kostbarkeit der Materialien, sondern durch seine raffinierte Farbigkeit und seine aussergewöhnlichen Formen. Schmuckkunst ist Objektkunst. Die Stücke wirken oftmals wie kleine Skulpturen. Der Wert ergibt sich, wie bei allen anderen Kunstsparten, aus dem Entwurf und der Umsetzung des Künstlers. Schliesslich werden auch Gemälde nicht nach Farbe und Leinwand bewertet, sondern nach dem Motiv und der Technik.
Lange Tradition
Schmuckkunst hat eine lange Tradition, denkt man etwa an die Meisterleistungen alt-ägyptischer Goldschmiede oder an die Werke klassisch-antiker wie auch mittelalterlicher Kunsthandwerker.
Seit den frühen sechziger Jahren kann man von einer Erneuerung der Schmuckkunst sprechen, die trotz mancher grundlegender Verschiedenheiten in den einzelnen Ländern und trotz individueller Formen der Künstler letztlich auf einer gemeinsamen Basis steht.
In Österreich hat sich die erste Schmuckkunst im Jugenstil etabliert. Interessanterweise waren es oftmals Architekten, die die ersten Entwürfe für Schmuckkunststücke lieferten.
Die moderne Schmuckkunst wurde von Schmuckkünstlern wie Peter Skubic und Gert Mosettig geprägt, die auch auf internationale Bekanntheit verweisen können. Sepp Schmölzer hat bereits in den fünfziger Jahren der Kunstrichtung informell in Sachen Schmuck entsprochen und etwa zu neuen Oberflächenstrukturen durch Anschmelzen gefunden.
Diverse Materialien
In den siebziger und achtziger Jahren dominierten Materialien wie Kunststoff, Glas, Stahl, Textilien und Acryl. In den späten neunziger Jahren hingegen ist ein deutlicher Trend zu erkennen, der zurück zu edleren Materialien führt, wie Gold Silber, Platin und Edelsteinen. Auch in der Form gibt es nach einer Phase der Reduktion und der Geometrie wieder mehr Verspieltheit.
Schmuckkunst ist nicht zuletzt auch eine Wertanlage. Zwischen 500 und 30.000 Schilling kosten die Stücke im Schnitt, je nach Künstler, Entwurf, Aufwand, Material.
Wertsteigerung
Selbst bei der Schmuckkunst der Gegenwart sind bereits Wertsteigerungen zu verzeichnen. SO kostete etwa eine Stahlbrosche von Peter Skubic vor 15 Jahren rund 20.000 Schilling, heute muss man dafür schon mehr als 100.000 Schilling bezahlen.
Die Kundenszene ist recht lebendig, sagt Renate Slavik von der Galerie Slavik, die sich nun schon seit zehn Jahren für die Etablierung der Schmuckkunst einsetzt. "Es interessieren sich auch nicht so betuchte Kunden für Künstlerschmuck".
Eva Komarek in: Wirtschaftsblatt, Kunstmarkt, vom 5. November 1999
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